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Seit 2003 gibt es wöchentlich traditionellen Jazz unter dem Titel Feierabend-Jazz in der "Alten Pumpe" in Berlin-Tiergarten. Das Spektrum reicht von New Orleans über Dixieland bis Swing, gelegentlich wird auch Lindy Hop getanzt.
Bisher wirkten mit:
Manch erfahrener Alt-Jazzer winkt allerdings resigniert ab: Jam Session? - besser nicht! Der Vorbehalt ist verständlich, endet doch manch anfangs dezentes Musizieren im Chaos, wenn nämlich sämtliche Jazzer gleichzeitig auf der Bühne stehen und aus Sorge, nicht gehört zu werden, alle das Äußerste zum Besten geben.
Wie funktionierte das "früher"? Es gibt durchaus gute Aufnahmen von Jam Sessions, z.B. mit den Musikern, die Eddie Condon in den 30er bis 50er Jahren um sich versammelte. Die diskografischen Angaben zur Besetzung lassen eine gewaltige Big Band vermuten, jedoch ist i.A. immer nur ein gleichartiges Instrument zu hören, auch beim Vorstellen des Themas oder im Schluss-Chorus (einer reicht!).
Das Faszinierende an so einer Session ist insbesondere für die Musiker, dass oft in nie dagewesenen Besetzungen gespielt wird und somit etwas Einmaliges zur Aufführung kommt. Wird also jedes Rhythmusinstrument immer nur einfach besetzt und halten sich die Bläser bei der Begleitung der Solisten zurück sollte es ein abwechslungsreicher Auftritt werden.
Wie lernt man Jazz? Der routinierte Jazz-Musiker meinte dazu nur: Platten hören, Platten hören, Platten hören ... Mussten unsere Vorbild-Jazzer noch nach jedem Stück die 78er umdrehen bzw. wechseln, speichert heute der mp3 Player ein halbes Lebensrepertoire. Man kann sich also schon auf dem Weg zu seinem Job oder zum Plattenladen inspirieren lassen. Damit wäre die Phantasie angeregt, denn die braucht man zum jazzen und improvisieren.
Grundlegend wichtig ist die Beherrschung des Instruments. Wer kein Naturtalent ist (Trompete auf Urgroßmutters Dachboden finden, reinpusten, engagiert werden) sollte guten Unterricht nehmen. Mitwirkung in einem Orchester ab Schulorchester aufwärts ist nur von Vorteil. Gut für den Jazz geeignet sind harmoniespezifische Etüden, die das Gefühl für Dreiklänge und Vierklänge mit Sexte und Septime stärken. Die weitestverbreitete Tonart im traditionellen Jazz ist sicher B-Dur gefolgt von Es und F, aber als Akkord kommen auch Des und H vor, also üben wir unsere Stücke am besten in jeder Tonart rund um den Quintenzirkel. Dabei werden auch die parallelen Molltonarten berücksichtigt ebenso wie die sog. Null-Akkorde (nur kleine Terzen). Wer dieses regelmäßig im stillen Kämmerlein übt wird bald merken, dass die Phrasen, die man sich so vorstellt, irgendwann auch "in der Hand liegen".
Und was sagen die Nachbarn dazu? Am besten spricht man sie frühzeitig darauf an, dass man möglichst täglich eine halbe bis eine Stunde üben möchte, dabei aber mittags und abends ab ca. acht Uhr und auch sonn-/feiertags Ruhe hält. Per Gesetz ist regelmäßiges Musizieren für Hobbymusiker auch in der Etagenwohnung durchaus erlaubt (natürlich unverstärkt), schließlich soll die Kultur gefördert werden. Die Lautstärke muss kein unlösbares Problem darstellen, denn insbesondere beim Swing wird geschätzt, dass er gerade in kleiner Besetzung recht dezent klingt.
Irgendwann wird ein Nachbar fragen: "Wo treten Sie denn so auf?". Spätestens dann wird's Zeit, sich nach Gleichgesinnten umzusehen, das Internet hilft dabei. Der erste gemeinsame Auftritt motiviert hoffentlich zum weiterüben. Übrigens, das schwerste bei der Gründung einer Band ist das Ersinnen eines passenden Namens, alles andere ist eine Frage der Zeit.
Welches ist die passende Klarinette für den Jazz, welches ist das beste Mundstück? Allgemein anerkannte Vorzugsfabrikate gibt es nicht, man nehme, was sich gut spielt. Im Jazz wird jedoch eindeutig die B-Klarinette bevorzugt. Ob deutsches System (Oehler) oder französisches (Böhm) spielt dabei keine Rolle. Letzteres ist international weiter verbreitet, es gibt aber Fotos, auf denen Benny Goodman mit einem Oehler-Instrument zu sehen ist.
Maßgeblich wird der Klang durch das Mundstück bestimmt. In den 1970er-Jahren benutzten in Berlin viele Jazz-Musiker den Typ F von Selmer, später wurde gerne Vandoren gewählt, z.B. Typ 5JB. Bei beiden Modellen handelt es sich um solche für das Böhm-System, die aber auch auf eine Oehler-Klarinette aufgesteckt werden können. Evtl. muss dabei das Mundstück zum Einhalten der Stimmung etwas herausgezogen werden. Zur Erleichterung der Justierung kann man einen Dichtungsring aus dem Sanitärfachhandel aufstecken. Das klingt befremdlich, aber im Musikgeschäft ist so ein praktisches Teil nicht erhältlich. Passende Blätter sind z.B. Rico Royal in Stärke 2,5 oder Vandoren mit Stärke 2.